Berlin – Istanbul

Frau Reiten Fahrrad - Kostenlose Vektorgrafik auf Pixabay

Mit dem Fahrrad durch den Osten Europas

Ab Ende August werde ich gute 2 Monate mit dem Fahrrad unterwegs sein. Ich starte zu Hause in Berlin, fahre dann durch den Osten Deutschlands, West-Böhmen in Tschechien, folge ab Salzburg dem Alpe-Adria-Trail durch die österreichischen Alpen bis nach Slowenien, durchquere die dinarischen Alpen die sich über Kroatien, Bosnien, Montenegro und Albanien erstrecken und fahre zuletzt durch den Norden Griechenlands bis nach Istanbul.

So weit bin ich bisher gekommen:

Die erste Woche: Von Regen und Hügeln

Eine Woche bin ich nun schon unterwegs, habe gute 500km geschafft und befinde mich auf einmal im Süden Deutschlands. Die Woche war in vielerlei Hinsicht fordernd: Es hat viel geregnet und ich habe mehrere Nächte in Pensionen geschlafen, weil Abends einfach alles nass war. Und im hügeligen Vogtland musste ich feststellen, dass die paar Hügel, die wir Brandenburg haben, doch was anderes sind – ich musste ganz schön strampeln.

Aber es gab auch viele schöne Momente: Tolle Natur, der Moment, wenn Abends alles aufgebaut ist und ich erschöpft und zufrieden ins Zelt falle, die Erkenntnis, dass das mit den Hügeln immer besser geht (muss auch, ich will ja schließlich bald die Alpen überqueren) und auch die Momente, wenn ich mich mit dem Regen einfach abgefunden hatte und er mich auf einmal gar nicht mehr störte.

Und das schönste ist vieleicht die Ungewisaheit. Ich bin jeden morgen aufs Neue gespannt, was mich heute erwartet und irgendwie wird es immer gut. Mal schauen, was die zweite Woche bringt!

Die zweite Woche: Durch die Alpen

Und auf einmal radel ich schon durch das Ortseingangsschild nach Ljubljana. Kaum zu glauben, was schon alles hinter mir liegt, über wie viele Hügel ich gefahren bin, wie viele verschiedene Schlafplätze ich hatte, wie viel ich erlebt habe. In der zweiten Woche ist schon nicht mehr alles so neu, es hat sich ein bisschen Routine eingestellt. Meine Sachen haben inzwischen alle einen festen Platz in den Taschen und ich habe einen guten Rythmus für mich mit Fahren und Pausen am Tag gefunden. Und dann war da einfach diese großartige Landschaft, durch die ich fahren durfte. Als wollte das Wetter etwas gut machen, schien noch dazu die ganze Woche die Sonne.

Ich erreiche Salzburg, treffe für einen Tag eine dort lebenden Freundin und geht’s in die Alpen. Ich folge dem Alpe-Adria-Radweg, der toll ausgebaut und beschildert ist und sich größtenteils durch die Täler der Alpen zieht. Die Aussichten sind trotzdem beeindruckend und ab und zu geht es auch Mal nach oben. Bei den ganz hohen Bergen kann man aber zum Glück durch Tunnel fahren. Und dann, nach nur wenigen Tagen, geht es auf einmal schon wieder bergab, ich habe die Alpensüdseite erreicht. Es rollt gemütlich voran und an Luft und Landschaft lässt sich merklich feststellen, dass es Richtung Mittelmeer geht. Ich bleibe zwei Tage in Ljubljana und erledige alles, was auf langen Reisen so ansteht: Das Fahrrad muss Mal in die Werkstatt, eine Zeltstange repariert werden und natürlich die Wäsche gewaschen werden. Ich genieße diese ruhige Hauptstadt und freue mich auf den nächsten Teil der Reise.

Die dritte Woche: Raus aus der Komfortzone

Die dritte Woche verbringe ich fast komplett in Kroatien. Es dauert eine Weile, bis ich mich an die neue Umgebung gewöhne. Bis hinter die Alpen schien mir alles noch bekannt, ich sprach sie Sprache, kannte die Region zumindest grob. Seit Slowenien ist das anders und es kommt schon Mal vor, dass ich 5km zurück fahren muss, weil ich das Straßenschild, dass die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt ist, nicht lesen konnte. Stück für Stück gewöhne ich mich daran, dass es jetzt mehr Unbekanntes gibt und verfalle dabei der unglaublichen Schönheit Kroatiens. Ich fahre von Nationalpark zu Nationalpark, die manchmal so unterschiedlich sind als ob ich zwischendurch den Kontinent gewechselt habe. Einmal will ich kurz ans Meer, doch dann zieht es mich schnell wieder in die so angenehme Ruhe des Hinterlandes. Dieses Land kann wirklich alles bieten. Nun bin ich kurz vor der Grenze zu Bosnien und kann es gar nicht abwarten, zu sehen, was das Land an Neuem und Unbekannten bereit hält.

Die vierte Woche: Durch die Berge Bosniens und Montenegros
In Woche vier meiner Fahrradtour von Berlin nach Istanbul durchquere ich Bosnien auf einer für Radfahrer*innen wunderbar ausgebauten alten Bahntrasse. Und trotzdem ist da kaum jemand in diesen schönen Bergen. Spontan biege ich irgendwann rechts ab und fahre nach Dubrovnik runter ans Meer. Die Abfahrt zum Meer ist wie immer ein Traum: Stück für Stück entlassen mich die Berge und das Meer kommt näher und näher. Nach einem kurzen Bad im Meer, bin ich auf einmal schon in den Bergen Montenegros. Ich bewältige Anstiege, von denen ich mir vorher nicht hätte träumen lassen, dass ich sie hochkomme und genieße traumhafte Aussichten.
Nun bin ich in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, vier Wochen und über 2000km auf dem Rad liegen hinter mir, es ist Halbzeit.

Die fünfte Woche: Von Montenegro durch Albanien und Nord-Mazedonien nach Griechenland

Diese Woche könnte abwechslungsreicher kaum sein. Ich verlasse Montenegro und die imposanten Berge, die einen dort quasi mehr umgeben. Ich nehme mir fest vor, hier irgendwann nochmal zum Wandern zurückzukommen. In Albanien erwartet mich eher flaches Hinterland, in dem die Gegensätze aber nicht größer sein können. Neben großen Autos fahren Eselskarren und nicht selten versperren Hühner oder Kühe sie Straße. Vor allem in der Hauptstadt Tirana wird deutlich, dass hier Reichtum und Armut oft nah beieinander leben. Durch die Berge verlasse ich Albanien und mache einen kurzen Schlenker nach Nord-Mazedonien. Der große Ohrid-See liegt in mitten hoher Berge und man kann ihn wunderbar mit dem Fahrrad umrunden. Und dann bin ich auf einmal in Griechenland. Noch vor ein paar Wochen schien mir das extrem weit weg. Das Land begrüßt mich mit Regen und Kälte und mir wird nochmal klar, was ich in den letzten Wochen mit dem Wetter für ein Glück hatte. Aus den tiefen meiner Tasche krame ich die Regensachen raus und erkunden nun Griechenland!

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